

Deutschland. In einer verträumten Kleinstadt, irgendwo im Südosten. Klaus Heese bewohnt ein idyllisches Häuschen, ganz am Rand von Groß-Bierau. Seine Auffahrt ist gepflegt, die Hecke gestutzt und die Fensterläden in freundlichem hellblau gestrichen. Nichts lässt ahnen, dass wir hier bei einem echten Einsiedler zu Besuch sind, um die Skurrilität seiner Idylle zu dokumentieren. Direkt vor Herrn Heeses Gartentor sind noch Reste des alten Asphaltstraßensystems zu finden, aus dem hier und da aus Ritzen Löwenzähne ihre Blätter Richtung Sonne strecken. Sie begrünen den Heimweg des einzigen verbliebenen Einwohners der ehemaligen 30.000 Einwohner Stadt.
"Bis zur nächsten Magnetschwebebahn Haltestelle sind es nur 5 Minuten Fußweg“ relativiert Herr Heese. Trotzdem riecht es hier nach Einsamkeit. Die Straßen sind leer, die Häuser vernagelt. Einzelne verwilderte Tiere laufen uns über den Weg. Auf Herrn Heeses Veranda gibt es selbstgebrühten Kaffee und Kekse mit echter, natürlicher Butter. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Die Sonne wärmt, die Großstadt scheint weit entfernt und Herr Heese beginnt zu erzählen: Von den Massen, die auszogen, in der Stadt ihr Glück zu finden.
Berlin. Nachdem eine Studie der BDA belegt hat, dass deutsche Männer bei gut bezahlten Festanstellungen eindeutig benachteiligt werden, reagiert der Bundestag nach langen Debatten und etlichen Enthaltungen mit einer Gesetzesänderung. Die soziale Gleichheit soll langfristig wieder hergestellt werden.
Es ist nachgewiesen, dass arbeitnehmende Männer in mittelständischen Unternehmen deutschlandweit bis zu 10% weniger Lohn bekommen als ähnlich qualifizierte Arbeitnehmerinnen. Der Vorsitzende des Verbandes für berufliche Gleichberechtigung (VbG), Timo Schulz, entrüstet sich: "Diese Zustände erfordern neben einer Quote auch eine finanzielle Subvention der männlichen Arbeitnehmer!“
Die BDA Studie klärt auch die Fragen nach den Ursachen für dieses Missverhältnis. Laut Umfrageergebnissen schätzen 64% der Arbeitgeber an ihren Mitarbeiterinnen "Produktivität durch Arbeits- und Freizeitbalance“ und insbesondere an Müttern das Organisationstalent (80%).
"Frauen sind bei gleicher Qualifikation meist aufgeschlossener neuen Ideen gegenüber und bilden sich selbständiger weiter. Und da sie sich nicht über ihren Beruf identifizieren, sind sie auf lange Sicht belastbarer und gesünder, die Gefahr eines Burnout ist einfach nicht so groß.“ Kommentiert Hilde Beck, Vorstandsvorsitzende bei der Pharma AG.
Aber selbst einige Männer demonstrieren eisern gegen Subventionen und Gesetzesänderungen – sie wollen es von sich aus schaffen. Ihnen geht es aber nur um ihren Stolz. Dieser Umstand verdeutlicht dann auch einen Hauptgrund warum Frauen heutzutage bevorzugt werden – sie stehen sich nicht selbst im Weg.
Berlin. Von außen wirkt die Villa unscheinbar und kaum kunterbunt. Höchstens die lauten Stimmen und das Cowboy- und Indianergebrüll vom Hinterhof verraten etwas über die Bewohner dieses Berliner Hauses.
Ich drücke auf das Klingelschild "Kinder Aussicht", der kleine Leon öffnet mir die Tür. "Vater Alkoholiker, Mutter früh gestorben", rezitiert Emma Bartsch später in ihrem Büro über den Jungen, der mich da so anstrahlt. "Wir geben hier Kindern ein Heim- und zwar ein Richtiges." Emma Bartsch hat mit ihren Kollegen in ganz Deutschland ein Charity-Projekt sondergleichen aufgebaut. In einem Wohltätigkeitsnetzwerk mit Kinderpsychologen und Förder- und Forderschulen bietet sie seit über 10 Jahren heimatlosen Kindern ein richtiges Zuhause statt eines klassischen Heims. "Wir arbeiten inzwischen mit über 50 Städten und Gemeinden in ganz Deutschland zusammen. Und unser Prinzip ist einfach: Förderer wie Psychologen, Pädagogen, Schulen und Unternehmen spenden uns ihre Arbeitszeit. Wir teilen dieses Kontingent zwischen den Heimkindern so auf, dass jedes optimal gefördert wird. Für das eine Kind kann das die Überwindung eines Traumas sein, für andere die gezielte Deutschnachhilfe."
Auf der Online-Plattform kinderaussicht.de kann man alle Förderer nachlesen. Wer hier einer Schule Geld spendet und dort Produkte eines unterstützenden Unternehmens kauft, finanziert indirekt das Projekt "Kinder Aussicht" mit. Der Erfolg gibt Emma Bartsch Recht: "70 Prozent unserer Heimkinder schaffen es inzwischen in eine Ausbildung oder das Studium, das wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen."
New York. Bei der Präsentation der ersten Prototypen einer automatisierten Dolmetschmaschine sind Experten von der Tragweite des Ereignisses überzeugt. Man spricht sogar schon vom Nobelpreis – neben dem für Technik auch vom Friedensnobelpreis. Schließlich leitet dieses kleine unscheinbare Gerät, das man einfach wie einen Ohrring trägt, das Ende der langen babylonischen Sprachverwirrung ein. Die Welt wird eins. Die universellen Dolmetschmaschinen analysieren und synchronisieren alle Sprachen in Sekundenschnelle und bringen die Menschen näher zusammen. Als erster Schritt zur Wiedererlangung von Kooperation und Vertrauen zwischen den Völkern ist die Verständigungsbarriere gefallen. In Kombination mit den Möglichkeiten eines Echtzeit-Internets kann nahezu jeder Mensch mit jedem weltweit kommunizieren – und man versteht sich!
München. Was immer die Gründe für den neuen Trend sein mögen, die Papierhersteller finden ihn gar nicht gut. Denn immer mehr Menschen verschenken Dinge unverpackt, einfach so und nur mit einem kleinen Zettel versehen, der einen Wunsch oder eine Widmung enthält. Geschenkpapier gilt als uncool und als Verschwendung von Rohstoffen und damit wollen immer weniger Bürger etwas zu tun haben. Neuerdings werden auch öfter mal Geschenke in Stoff eingewickelt – der sich dann als tragbares Tuch oder gar als T-Shirt herausstellt. Eigentlich viel witziger als das veraltete Geschenkpapier, findet jedenfalls unserer Redaktion. Denn auch bei uns hat sich der neue Trend schon lange durchgesetzt.
Berlin. Trendstudie Familie 2029 belegt, dass ein neues Familienmodell auf dem Vormarsch ist. Nach Jahren explosionsartiger Zunahme von Altenpflegeheimen und betreutem Wohnen ist laut Studie das Modell des Mehrgenerationenhauses Spitzenreiter unter den Pflegemodellen. Vor allem alleinstehende Männer gehen dazu über, mit ihren pensionierten Eltern zusammenzuziehen. Laut der aktuellen Studie sind die Gründe dafür "Verantwortungsbewusstsein gegenüber den eigenen Eltern“ (92% Zustimmung) und "Mehr Gesellschaft trotz Singledasein“ (75%).